Interview mit Roberto Orci und Alex Kurtzman
Frage: Was können Sie uns zur zweiten Staffel verraten?
Orci: Peter (Joshua Jackson) wird so richtig die Führung übernehmen und Walter wird Freiheiten erleben, die er vielleicht besser nicht gemacht hätte.
Kurtzman: Im letzten Jahr ging es hauptsächlich darum, dass Peter gezwungen wurde, die Rolle als Walters Babysitter einzunehmen. Er kämpfte immer mit der Möglichkeit, einfach davonzulaufen. Für uns war es interessant, dass er ein Charakter war, der jederzeit hätte abspringen können um sich aus dem Staub zu machen. Ich denke, vieles was gegen Ende der ersten Staffel passiert ist- und was am Anfang der zweiten Staffel passieren wird- führt zu dazu, dass er sagt: „Ich bin der Typ dafür. Wenn wir das hier machen, dann auf meine Art. Ich übernehme jetzt die Führung.“ Das wird eine ganz andere Art, den Charakter zu betrachten.
Frage: Wie sehr sind Sie an der Staffel beteiligt und wie involviert wird J.J. Abrams sein?
Orci: Wir teilen uns das auf, damit wir den einen Teil beaufsichtigen können und J.J. einen anderen Teil. Ein- oder zweimal im Monat setzen wir uns dann zusammen und planen den nächsten großen Schritt. Außerdem haben wir fantastische Mitarbeiter, die sich die Folgen aufteilen. Wir kommen am Telefon zusammen und verbessern die Storys. Wir ziehen alle an einem Strang. Jeff and Joel sind auch körperlich vor Ort und kümmern sich um die ganzen schrecklichen Dinge, die uns erspart bleiben.
Frage: Sind Sie multi-tasking fähig?
Orci: Ja. Ein Grund, warum wir gerne Shows zusammen machen ist weil wir uns gegenseitig die Arbeit erleichtern. Das ist viel einfacher als wenn jeder sein eigenes Ding durchziehen würde.
Kurtzman: Wir haben eine Menge vom Fernsehen gelernt. Es hat uns Disziplin gelehrt und brachte uns dazu, viele Dinge auf einmal zu erledigen. Der Schlüssel ist, das Niveau immer hoch zu halten. Darum hat man auch immer Leute um sich herum, die sicherstellen, dass das auch so bleibt.
Frage: Was ist anders im Alternativ-Universum?
Orci: Das weiße Haus wurde zerstört und nicht das World Trade Center.
Kurtzman: Kennedy lebt noch.
Frage: Wo ist Walter (John Noble) in dieser anderen Welt? Was hält er davon, dass unser Walter seinen Sohn genommen hat?
Orci: Also ich wäre echt angepisst. Das ist eine pikante Sache, die sich irgendwo herausbildet.
Frage: Wie viel von Walters Charakter ist improvisiert und wie viel steht fest? Steht es im Skript wann Walter hochgeht?
Orci: Absolut. Du sagst: „Im Hintergrund inspiziert Walter alles, was seine Aufmerksamkeit erregt. Du bist dir nicht mal sicher, was er macht bis du dort ankommst.“ Es steht zwar geschrieben, was Walter machen soll, aber Johns Improvisationen unterstreichen das noch zusätzlich. Eine Zeile kann die ganze Szene verändern. Es kann sich auf alles auswirken was zuvor passiert ist. Aber er kennt seinen Charakter wirklich gut und kann auch ohne Skript in seine Rolle schlüpfen.
Frage: Gibt es die Kuh (Gene) auch im Alternativ-Universum?
Orci: Ähm… ja.
Frage: Und Massive Dynamic?
Orci: Ja. Wir wollen die Zuschauer ja nicht verwirren. Uns kommt es darauf an, nur Dinge zu verändern wenn es dafür auch einen thematischen Grund gibt. Es kann nicht auf einmal alles rot sein was vorher blau war, nur weil es spaßig ist.
Frage: Wie viel Gespräche hatten Sie schon über Mrs. Bishop?
Orci: Ein paar. Aber das ist ein großes Ziel und wir wollen sicher gehen, dass wir die Storyline erst richtig aufbauen.
Frage: Ist Olivia (Ana Torv) die einzige, die in die andere Welt wechselt?
Orci: Erstmal ja. Wir müssen damit vorsichtig umgehen.
Frage: Was denken Sie über Parallel-Welten?
Kurtzman: Ich glaube, sie existieren.
Orci: Es ist doch so: Alles, was passieren kann, passiert auch. Das sagte auch Mr Data in Star Trek: Die nächste Generation. Sie scheint eine Menge der existierenden Paradoxa zu lösen. Aber wer weiß.
Frage: Müssen Sie erst Leonard Nimoy fragen, ob er für weitere Folgen zustimmt, bevor Sie ein William Bell Skript schreiben?
Orci: Wir machen vorab zwei Skripts und fragen dann: „Hey, sind Sie für zwei weitere dabei?“ So schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klatsche.
Frage: Wie teilen Sie sich ihre Zeit auf?
Orci: Wir nehmen die Krisen wie sie kommen. Im Hinblick auf das Schreiben machen wir alles zusammen und verbringen einen grossteil des Tages damit. Bei den verschiedenen Projekten, die wir entwickeln, übernimmt einer von uns die Verantwortung. Wir versuchen zwar, alles gemeinsam zu machen aber wenn wir uns aufteilen müssen, entwickelt Alex einen Teil und ich den anderen.
Frage: Und wer kümmert sich um Fringe?
Orci: Wir beide. Wenn wir daran schreiben, dann zusammen.
Frage: Hat Sie ein Element von Fringe überrascht weil es am Anfang der Show noch nicht absehbar war?
Orci: Die Idee mit dem Parallel-Universum war etwas, dass sich Jeff Pinkner und seine Leute ausgedacht haben als wir gerade den Pilot abgedreht hatten. Wir wollten also eine einzelne Antwort, die erklärt was für das Schema verantwortlich ist. Jeff Pinkner hat uns dann die Idee mit dem Alternativ-Universum schmackhaft gemacht.
Frage: Wo wären Sie jetzt, wenn sie mit der Enthüllung der Parallel-Welt bis zur dritten Staffel gewartet hätten?
Orci: Wir hätten uns mit einer längeren Liste von unerklärlichen Dingen beschäftigt und uns mehr darauf konzentriert, die Dinge in Frage zu stellen. „Was hat das verursacht? Wie kann das erklärt werden?“
Frage: Gibt es in der anderen Welt die gleichen Grenzwissenschaften wie bei uns?
Orci: Das ist eine gute Frage. Bisher haben wir noch nichts gemacht, was sich von unserer Welt unterscheidet. Bis wir uns anders entscheiden, bleiben wir aber bei den gleichen physikalischen Gesetzen. Aber mit dem Bereich könnten wir uns mal beschäftigen. Das ist sehr interessant.
Frage: Versuchen Sie, ein Alternativ-Universum wie bei Watchmen, wo Nixon immer noch Präsident ist, zu vermeiden?
Orci: Mir hat das bei Watchmen sehr gut gefallen. Dort wurde ja auch die Verfassung geändert. Aber nein. Wir versuchen, die großen Ereignisse in der Geschichte zu verformen. Kennedy lebt und das World Trade Center steht auch noch. Sie ziehen in ein neues Weißes Haus, weil es zerstört wurde und nicht die WTC.